207. Business Breakfast
Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände e. V.
Beim 207. Business Breakfast ging es dieses Mal um die Frage, wie Arbeitgeberverbände über mehr als ein Jahrhundert hinweg Stabilität schaffen – und warum sie gerade heute unverzichtbar sind. Anlass war ein besonderes Jubiläum: 125 Jahre Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände (VBU).
Bereits zur Begrüßung machte Antje Lieser deutlich, welch lange Tradition die Interessenvertretung der Unternehmen im Bergischen Land hat. Schon 1900 legten drei lokale Unternehmer, darunter Carl Vorwerk, den Grundstein für das, was später zur VBU wurde. Im Foyer konnten die Gäste eine Ausstellung mit historischen Dokumenten und Exponaten entdecken – ein Blick zurück auf die Wurzeln regionaler Wirtschaftsgeschichte. Unter den Gästen war auch Wuppertals neue Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, die das Netzwerk zum ersten Mal in ihrer neuen Rolle besuchte.
Ein starker Verbund für die Wirtschaftsregion
Die VBU ist heute eine Gemeinschaft aus neun eigenständigen Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden – darunter Chemie, Metall, Textil, Papier, Handel und Transport. Zusammen vertreten sie 560 Unternehmen mit rund 60.000 Beschäftigten. Ein Netzwerk, das die Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik in der Region prägt wie kaum ein anderer Akteur.
Einen Einblick in die Arbeit der VBU gab Vera Bökenbrink, Geschäftsführerin von Stahlwille und Vorstandsvorsitzende der VBU. Sie steht für das „Team Attacke“ – und das machte sie auch gleich deutlich. Ihr Appell: Unternehmen müssen ihre Stimme erheben, sich einbringen und aktiv mitgestalten. „Wer nicht mitmacht, darf auch nicht meckern“, sagte sie unmissverständlich. Die Erfahrungen aus der Praxis müsse die Wirtschaft an die Politik herantragen, damit diese zielgerichteter unterstützen kann. Bökenbrink nutzte die Gelegenheit, Oberbürgermeisterin Miriam Scherff zur engeren Zusammenarbeit mit der VBU zu ermutigen. Scherff nahm diese Einladung gerne an.
Im Vortrag von Michael Schwunk, Sprecher der Geschäftsführung, stand die Entwicklung der VBU im Mittelpunkt. Sein Fazit aus 125 Jahren Arbeit: Transformation, Courage und Zusammenarbeit sind die Konstanten, die Verbandsarbeit seit jeher prägen. Ob Nachkriegszeit, Strukturwandel, Digitalisierung oder Corona – wirtschaftliche Herausforderungen gab es immer. Doch ebenso gab es die VBU, die kontinuierlich wuchs und sich anpasste.
Ein zentrales Feld ist bis heute die Tarifpolitik. 2026 stehen wichtige Verhandlungsrunden an – komplex, weil die Branchen heute viel differenzierter sind. Hinzu kommen EU-Richtlinien und individuelle Firmentarifverträge, etwa mit Blick auf Transparenz oder Themen wie den Gender Pay Gap, bei dem die VBU Unternehmen durch objektive Entgeltsysteme unterstützt.
Berufsbildung als Zukunftsaufgabe
Ein weiterer großer Schwerpunkt: Ausbildung und Fachkräftesicherung. Die VBU engagiert sich mit praktischen und zeitgemäßen Angeboten. So besucht ein Metalltruck regelmäßig Schulen und bringt Jugendlichen Berufe aus der Metallbranche näher. Die VBU betreibt darüber hinaus überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen und hat mit der Textilakademie NRW einen modernen Ausbildungscampus für die Region aufgebaut.
Ein besonders zukunftsweisendes Projekt entsteht derzeit in Wuppertal: Auf dem ehemaligen Schaeffler-Gelände, das aktuell zu einem neuen Gewerbepark entwickelt wird, zieht bald die Gemeinschaftslehrwerkstatt von Velbert und fusioniert dort mit der Solinger Lehrwerkstatt der Bergischen IHK. Unter dem neuen Namen Bergischer Bildungscampus gGmbH entsteht eine moderne Bildungseinrichtung, für deren Ausstattung dank drei Millionen Euro Fördermitteln hochmoderne Maschinen – unter anderem aus dem Bereich Robotik – angeschafft werden können. Das Projekt ist ein Gewinn für die ganze Region, insbesondere für kleinere Unternehmen, die selbst keine eigenen Lehrwerkstätten betreiben können.
Ob Arbeitsrecht, KI, Arbeitsschutz, Personalführung, Gesundheitsvorsorge – Schwunk machte deutlich: Die Anforderungen an Unternehmen nehmen zu. Und damit auch der Bedarf an verlässlichen Partnern, die Orientierung geben. „Die Situation für Unternehmen ist äußerst schwierig. Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern, um wettbewerbsfähig zu bleiben und international bestehen zu können. Sonst drohen Stellenabbau und Verlagerungen.“ Schwunk schloss sich Bökenbrinks Apell an: „Die Unternehmen müssen lauter werden“.
Die VBU wird sie dabei unterstützen – engagiert und verlässlich. So wie seit 125 Jahren.
Das nächste Business Breakfast befasst sich ebenfalls mit Transformation. Bei Vok Dams wird es am 11.12. darum gehen, wie KI die Live-Event-Branche verändert.